SAFFRAN und Krump

von Pamela Dürr

Staatstheater Kassel

Regie: Janis Knorr

Bühne und Kostüme: Michael Lindner

Musik: Thorsten Drücker

Saffran: Thomas Sprekelsen

Krump: Eva- Maria Keller 

 

Bilder: Michael Lindner, N.Klinger

VOM BEHARREN UND NACHGEBEN 

Umjubelte Premiere des Zwei-Personen-Stücks »Saffran & Krump« im Theater im Fridericianum

Von Gesa Esterer

Glitzerfäden hängen von der Decke. Auf der Bühne ein Baumstamm mit Ästen. Daneben leuchten Blumen. Die Musik erzählt mit Dissonanzen von Unvereinbarem. Auf einem Rollbrett rattert Saffran herbei. Der Typ steckt in einem seltsamen Strampler- Raumfahrer-Overall in Blassgrün. Auf dem grellen Blondhaar thront eine tolle Tolle. Blinkende Silberstiefel bekleiden die Füße. Saffran (Thomas Sprekelsen) macht es sich gemütlich auf dem Baum. Aber Pustekuchen, der zottelige Waldschrattel Krump (Eva- Maria Keller) taucht auf. Es gibt natürlich Zoff. Am Sonntag zeigte das ausverkaufte Theater im Fridericianum (Tif) unter Regie von Janis Knorr die famose Inszenierung des Zwei-Personen-Stücks Saffran & Krump von Pamela Dürr. Im Streit der gegensätzlichen Fantasiefiguren geht es um den Platz im Wald. »Was für ein hübschfriedlisches Schütthügelschen«, säuselt Thomas Sprekelsen mit leicht blödem Gesichtsausdruck als Saffran. Während er eine der »Narzissten« pflückt, stürmt Eva-Maria Keller als Krump mit wildem Haar, Bauernrock und Fellweste in die Idylle. Auf die Frage, wer er sei, antwortet Saffran galant, er gehöre zum Stamm der ruhmreichen Filousen. Daraufhin verfällt Krump in ein unerträgliches Gebrüll »Ich war voll in der Inspiration«, sagt Saffran leicht angewidert. Dazu behauptet er, als Erster hier gewesen zu sein, was Krump »botenlose Frechheit« nennt. Als Waldschrattel habe sie den Platz niemals verlassen. Eine Lösung finden die beiden nicht. Sie gehen auseinander, vermissen sich. Die Autorin entwickelte für jede Gestalt eine eigene Sprache. Thomas Sprekelsen macht als Saffran aus dem fauchenden »ch« ein weiches »sch«. Als Krump baut Eva-Maria Keller das harte »k« oder »t« in die Worte ein, stammelt oft nur. Eigentlich ist das Schauspiel für Kinder gedacht, gefällt aber auch Erwachsenen. Es geht um Mein und Dein, um Teilen und Abgeben, um Konzessionen. Saffran und Krump demonstrieren, dass gar nichts geht, wenn keiner nachgibt. Dabei sind die Bühnenfiguren so gelungen, dass man ihnen wieder und wieder begegnen möchte. Beide Darsteller überzeugten, wobei besonders Thomas Sprekelsen mit versuchter Galanterie und gleichzeitiger Einfalt brillierte. Weiterhin beeindruckten das karge Bühnenbild, die schrillen Kostüme sowie die großartige Sound-Installation von Thorsten Drücker. Großer Applaus, viele Vorhänge für das mutige Ensemble.

HNA