die geschichte vom Onkelchen

von Thomas Brömssen und Lars-Erik Brossner nach dem Kinderbuch von Barbro Lindgren

Staatstheater Kassel

Regie: Dieter Klinge

Bühnen- und Kostümbild: Michael Lindner

 

Fotos: N.Klinger ©

 

KULTURMAGAZIN

FREUNDSCHAFT FÜR DIE KLEINSTEN 

Die Geschichte vom .. Onkelehen" ist die letzte Inszenierung von Dieter Klinge für das Staatstheater Kassel

Von Bettina Damaris Lange

Ein blauer Bauwagen steht auf der Bühne des tif, der nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten Blick an den von Peter Lustig erinnert, zumindest insofern, als dass er genauso interessant, gemütlich und mit zahlreichen nützlichen Details ausgestattet ist. Zudem lässt er sich nach sämtlichen Seiten hin aufklappen (Bühne und Kostüme: Michael Lindner). In diesem idyllischen Heim wohnt das Onkelchen. Auf diesem Fleckchen Erde, an dem die Ringelsöckchen und Unterhosen am rechten Platz aufgehängt sind und an dem sich Onkelchen das Wasser aus dem Telefonhörer brausen lässt, wenn er sich die Zähne putzen möchte, könnte eigentlich alles gut sein. Doch Onkelchen fühlt sich einsam. Er vermisst einen Freund. Er stellt einen zweiten Klappstuhl auf die Wiese, doch selbst die seitlich sitzenden Musiker wenden sich von dem netten Herrn im braunen Anzug ab, als er versucht, mit ihnen eine Freundschaft anzubahnen. Doch Onkelchen weiß sich zu helfen. »Kleiner Onkel sucht Freund« schreibt er auf kleine Zettel, die er überall verteilt. Doch niemand taucht auf, so dass er nachts, wenn die Amseln singen, weinen muss. Eines Tages findet sich ein Hund in Onkelchens Garten ein. Er trägt eine rote Krawatte und Fell an seinen Hosenbeinen. Erstmal ist es ein Riesenschock für beide. So lange hat das Onkelehen auf einen Gefährten gewartet und nun ist plötzlich jemand da. Nach dem ersten Schreck und den ersten Annäherungsversuchen, die das Onkelchen bestreitet, indem er dem kleinen Freund Kekse füttert, ist das Onkelehen so benebelt vom Glück, dass er sich mit der Zahnbürste die Augenbrauen kämmt und mit dem Kamm die Zähne putzt. Es dauert nicht lang, da will der Hund auch schon bei ihm einziehen. Mit Pappkarton und rosa Köfferchen steht er da. Was folgt, sind gemeinsame Ausflüge, Tänze und ein Festessen. Als die kalte Jahreszeit anbricht, wärmen und beschenken sie sich gegenseitig.

»Die Geschichte vom Onkelchen« von Tomas von Brömssen hat Dieter Klinge auf der Bühne des tif für Kinder ab 3 Jahren inszeniert. Während die Sprache stark reduziert ist, stehen Emotionen und existenzielle Krisen umso stärker im Vordergrund und berühren Kinder und Erwachsene gleichermaßen. So zum Beispiel, wenn der Hund ein herzzerreißendes Klagegeschrei anstimmt, nachdem das Onkelchen seit sieben Tagen und sieben Nächten verschwunden ist. Diese Sprache versteht jeder, und es gibt wohl niemanden, dem dieser Schmerz unbekannt wäre. Die Besetzung der Rollen ist sehr gelungen. Matthias Fuchs überzeugt mal als überschwängliches, mal als tieftrauriges Onkelchen, während Philipp Reinhardt einen tollpatschigen und anhänglichen Hund abgibt. Eine Besonderheit der Inszenierung sind die Musiker, die aktiv in die Handlung involviert sind, bis dahin, dass die Flötistin Constanze Betzl sich der Suche nach Freundschaft anschließt. Eine herzliche Geschichte, vermittelt durch eine starke Inszenierung.